27. September 2019 –

Treibhausgasneutrale Kraft- und Brennstoffe

150 Experten aus Wissenschaft und Industrie diskutierten beim 3. Technologieforum „Neue flüssige Energieträger“ am 26. September in Hamburg die Zukunft erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe. Neben der Vorstellung verschiedener Herstellungspfade stand dabei der künftige Einsatz der Future Fuels in der Mobilität und der Wärmeversorgung im Fokus.

„Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, werden erneuerbare flüssige Energieträger einen wichtigen Beitrag leisten müssen.“ Diese Einschätzung bekräftigten Adrian Willig, Geschäftsführer des Instituts für Wärme und Oeltechnik, sowie Dirk Claussen, Geschäftsführer beim Mineralölwirtschaftsverband. Umso wichtiger sei es, hier weitere Fortschritte zu erzielen. Beide befüllten während der Veranstaltung einen Pkw mit einem klimaneutralen synthetischen Kraftstoff (E-Fuel), der mittels Power-to-X-Verfahren aus „grünem“ Wasserstoff und recyceltem CO2 hergestellt wurde.

Beide waren sich einig: „Das Bekenntnis der Bundesregierung in den Eckpunkten zum Klimaschutzprogram, die Entwicklung klimafreundlicher Kraftstoffe aus Biomasse zu unterstützen und für die Entwicklung und Produktion klimaneutraler Kraftstoffe, das heißt E-Fuels, die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt kommt es darauf an, mit konkreten Maßnahmen ein dauerhaft verlässliches Umfeld für die Markteinführung zu schaffen – gerade auch für Investoren. Jetzt kommt es darauf an, mit konkreten Maßnahmen ein dauerhaft verlässliches Umfeld für die Markteinführung zu schaffen – gerade auch für Investoren. An konkreten Maßnahmen zur Stützung von synthetischen Energieträgern fehlt es aber in den vorliegenden Beschlüssen weitgehend – ganz im Gegensatz zu den vielfältigen und kostenträchtigen Förderungen elektrischer Anwendungen. Hier muss für den jetzt anstehenden Gesetzentwurf erheblich nachgearbeitet werden.“ Darüber, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit der Markteinstieg beziehungsweise der Ausbau von erneuerbaren Kraft- und Brennstoffen erfolgreich gelingen kann, wurde in Hamburg am Beispiel strombasierter Fuels von Vertretern unterschiedlicher Power-to-X-Initiativen diskutiert.

Kernelemente bei der Produktion erneuerbarer Kraft- und Brennstoffe sind Herstellung und Einsatz von Wasserstoff und dessen Kohlenstoffverbindungen in geschlossenen Kreisläufen. Die unterschiedlichen Rohstoffoptionen und Herstellungsverfahren sowie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zum Fahren, Fliegen und Heizen wurden anhand konkreter Projekte vorgestellt. Dazu zählten zum Beispiel das Projekt „REDIFUEL“, bei dem es um die nachhaltige Nutzung verschiedener biogener Rohstoffe zur Herstellung eines erneuerbaren Diesel-Biokraftstoffs geht, und das Vorhaben „KeroSyn100“, in dem synthetisches Kerosin auf Methanolbasis hergestellt wird. Fortschrittliche Biokraftstoffe aus Algen wurden gleichfalls präsentiert.

Auch im Schiffsverkehr ist eine brennstoffseitige Emissionsminderung ein immer wichtiger werdendes Thema. Dabei geht es, neben der langfristigen CO2-Reduktion, aktuell auch um den lokalen Schadstoffausstoß. In dem Projekt „MultiSchIBZ“ werden dafür Brennstoffzellen für die Bordstromerzeugung insbesondere im Hafenbetrieb erprobt. Darüber hinaus war der Wärmemarkt ein wichtiger Teil des Programms. Denn selbst wenn nach Einschätzung von Experten ein erfolgreicher Markthochlauf synthetischer flüssiger Energieträger im Verkehrssektor unverzichtbar ist: Die Vorteile der künftigen Produkte könnten dann auch im Gebäudebereich eingesetzt werden.

Das 3. Technologieforum „Neue Flüssige Energieträger“ wurde vom Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO), dem Mineralölwirtschaftsverband (MWV), dem OWI Oel-Wärme-Institut sowie der TEC4FUELS GmbH veranstaltet. Einen ausführlichen Bericht über das Technologie-Forum finden Interessierte auf der Website des IWO.